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Marktkommentare

Brexit-Update: Britische Finanzbranche alive and kicking?

Der Brexit und die Folgen des Nordirland-Protokolls können das Vereinte Königreich noch ganz schön teuer zu stehen kommen. Foto: Hagen Gerle

Covid-19 hin, Brexit her: Die britische Finanzbranche lässt sich vom EU-Austritt vor bald einem Jahr nicht unterkriegen. Neue Börsenregeln, Nachhaltigkeitspflichten und mehr Jobs im Finanzsektor sollen beweisen, dass die Industrie „alive and kicking“ ist. Allerdings müssen den Ankündigungen an der Themse erst noch Taten folgen. Und der Streit um das Nordirland-Protokoll droht den mühsam ausgehandelten Brexit-Deal wieder zunichtezumachen, erklärt Hagen Gerle in diesem Gastbeitrag für FondsTrends, der Plattform von Hauck & Aufhäuser Fund Services S.A. mit Beiträgen zu aktuellen und zukunftsorientierten Themen der Fondswelt: Brexit-Update: Britische Finanzszene alive and kicking?

Matthews Asia: Drei Fragen an China und seine Verantwortung im Klimawandel

China stand während der gestern in Schottland zu Ende gegangenen Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP26) sowohl im Zentrum der Kritik als auch bei der Suche nach Lösungen. Denn die Volksrepublik ist der größte Emittent von Treibhausgasen weltweit. Kathlyn Collins, Nachhaltigkeits-Chefin des Asien-Spezialisten Matthews Asia, untersucht in einer aktuellen Frage- und Antwortrunde (Q&A), warum Chinas Aufgabe beim Klimawandel so wichtig ist und was das bevölkerungsreichste Land der Erde in Sachen Klimaschutz bereits geleistet hat.

Was hat Chinas Regierung konkret versprochen?

Chinas Versprechen, die Kohlenstoffemissionen bereits vor 2030 zu erreichen, ist eine Verbesserung seiner früheren Zusage. Das Land bekräftigte außerdem, dass es die Nutzung fossiler Brennstoffe zwischen 2025 und 2030 auf 75 Prozent und bis 2060 auf 20 Prozent begrenzen will. In dem neuen Aktionsplan, den die chinesische Führung vor der COP26 veröffentlichte, wird auch darauf hingewiesen, dass China keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland finanzieren werde. Und in einer gemeinsamen Erklärung zum Klima auf der COP26-Konferenz sagten die USA und China zu, Methanemissionen zu reduzieren, die Wälder zu schützen und den Einsatz von Kohle herunterzufahren.  

Warum steht China in der Verantwortung?

China ist mit 27 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen der weltweit größte Emittent, gefolgt von den USA und Indien. Stromerzeugung und Industrie sind für etwa 75 Prozent der Emissionen in China verantwortlich. „Es steht außer Frage, dass Chinas wirtschaftliche Entwicklung in der Vergangenheit zu einigen ernsthaften Umweltproblemen geführt hat“, sagt Collins. „China muss seinen Energiemix reformieren und die Energieeffizienz von Industrieunternehmen drastisch verbessern. Es muss einen umweltfreundlichen Lebensstil fördern und seine Technologien zur Kohlenstoffabscheidung sowie -speicherung ausbauen.“ Die Stromausfälle und -engpässe zu Beginn dieses Jahres hätten deutlich gemacht, wie abhängig China noch von der Kohle sei und dass es den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft mit dem Fortkommen der zweitgrößten Volkswirtschaft in Einklang bringen müsse, so die Nachhaltigkeits-Chefin. 

Was hat China zuletzt im Kampf gegen den Klimawandel unternommen?

Um den Anteil der Kohle am Energieverbrauch von derzeit etwa 60 auf 50 Prozent im Jahr 2025 zu senken, müssen die erneuerbaren Energien zunehmen. China hat in diesem Jahr die Installation von Solar- und Windenergieanlagen vorangetrieben. Das Ziel der Regierung für Solar- und Windenergie liegt bei 1.200 Gigawatt (GW) installierter Kapazität bis 2030. „Batterien, Ultrahochspannungstechnologie und Übertragungsleitungen sowie intelligente Stromnetze sind die Schlüssel“, erklärt Collins. Chinas neue Politik sehe vor, dass mehr als die Hälfte des über neu gebaute Leitungen übertragenen Stroms aus erneuerbaren Energien stammen muss.

Schon heute ist China der größte und am schnellsten wachsenden Markt für Elektroautos weltweit. Bis 2030 sollen 40 Prozent aller verkauften Neuwagen in China mit neuen Energiequellen und bis 2025 bereits 20 Prozent elektrisch betrieben werden. Und Anfang des Jahres wurde die Ausgabe des Katalogs für grüne Anleihen veröffentlicht. Dieser bietet nicht nur eine einheitliche Regulierung für China, sondern auch eine internationale Harmonisierung der Standards.

„Wenn China sich Ziele setzt, gelingt es ihm in der Regel, diese zu erreichen. Ich denke, dass dies auch für Klimaschutzmaßnahmen wie die Verringerung der Emissionen gelten wird“, ist Collins zuversichtlich. Sie stellt abschließend einen Vergleich an: „In den vergangenen zehn Jahren hat China doppelt so viel für Klimaschutzmaßnahmen ausgegeben wie die Vereinigten Staaten und hat diese bei der installierten Kapazität an erneuerbaren Energien weit hinter sich gelassen. Der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ist ein wichtiger Bereich, in dem zwei der größten Kohlenstoffemittenten zusammenarbeiten können.“

Matthews Asia: Was „China Plus One“ für die Erholung des indischen Aktienmarktes bedeutet

Fondsmanager Peeyush Mittal, Matthews Asia

Die indischen Aktienmärkte haben sich – trotz der zweiten Covid-Welle von Ende März bis Juni, hoher Aktienbewertungen und einer überdurchschnittlich hohen Inflation als recht widerstandsfähig erwiesen. Darauf weist Peeyush Mittal vom Asien-Experten Matthews Asia in seinem jüngsten Marktkommentar („Matthews Asia Insights: What’s on the horizon for India’s markets?”) hin und erklärt, welche drei Gründe er maßgeblich für die Aktienerholung auf dem Subkontinent verantwortlich macht.

So sei die Erholung zum Teil darauf zurückzuführen, dass viele Inder ihre Ersparnisse von niedrig verzinsten Festgeldern in die Aktienmärkte umleiteten. Infolgedessen habe sich die Zahl der privaten Aktienhandelskonten in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt. Zum anderen sei die Erholung auf das günstige geldpolitische Umfeld zurückzuführen, das in den vergangenen 18 Monaten in Indien geherrscht habe. „Die Zentralbank hat sich in ihrer Geldpolitik weiterhin zurückhaltend gezeigt, und deshalb sind die Kapitalkosten im Lande derzeit so niedrig wie seit zehn bis zwölf Jahren nicht mehr“, sagt Mittal, der auch leitender Portfoliomanager des Matthews India Fund ist. „Das hat sich eindeutig günstig auf die Bewertungen von Vermögenswerten, einschließlich der Aktienmärkte, ausgewirkt.“ Und schließlich habe auch ein, von der indischen Zentralregierung vorgelegter wachstumsfördernder Haushalt, der in den kommenden Jahren höhere Infrastrukturausgaben vorsieht, zur Stärkung des Verbrauchervertrauens beigetragen.

Der konjunkturelle Umschwung wird zudem durch „China Plus One“ unterstützt. Dabei handelt es sich um eine Unternehmensstrategie, mit der globale Geschäftstätigkeiten diversifiziert werden sollen, indem ein weiterer Fertigungsstandort außerhalb Chinas hinzugefügt wird. „Eine Vielzahl von Produktionsaktivitäten verlagert sich gerade nach Indien“, so Mittal. Das habe mit Chemikalien begonnen und weite sich auf einen Teil der pharmazeutischen Lieferkette aus, insbesondere auf die Ausgangsstoffe. Einige indische Unternehmen – vor allem multinationale Konzerne – fingen an, Indien als eine größere Exportdrehscheibe zu betrachten, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

„Trotz der kurzfristigen Herausforderungen durch Covid sind wir weiterhin optimistisch, was die konjunkturelle Erholung Indiens angeht“, schließt Mittal seine Analyse ab. Diese werde durch höhere Infrastruktur- und eine Belebung der Investitionsausgaben des Privatsektors unterstützt. „Ich denke, dass sich das auch auf weitere Sektoren ausweiten wird.“ Und das stimme den Fondsmanager insgesamt zuversichtlicher, dass Indien, sobald Covid nachlässt, beim Wachstum des Bruttoinlandsproduktes weiterhin (20,1 Prozent auf Jahresbasis in Q2-2021) positiv überraschen werde.

Matthews Asia: Evergrandes Zahlungsschwierigkeiten sind ein spezifisches, kein systemisches Risiko von Chinas Anleihemarkt

Teresa Kong, Matthews Asia

Die Misere des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande, der offensichtlich Schwierigkeiten bei der Bedienung von Zinszahlungen an zwei Gläubigerbanken hat, hat nicht nur zu Turbulenzen an den Anleihemärkten geführt. „Die Notlage von Evergrande wirft kritische Fragen zu Investitionen in allen Schwellenländern auf, nicht nur in China“, sagt Teresa Kong, verantwortlich für alle festverzinslichen Strategien beim Asien-Spezialisten Matthews Asia. Der Fall Evergrande unterstreiche daher, wie wichtig es sei, bei Anleiheinvestitionen eine gründliche Due-Diligence in Bezug auf drei Aspekte guter Unternehmensführung durchzuführen, nämlich die Rechnungslegung, die rechtlichen und die regulatorischen Vorschriften, erklärt die Expertin in ihrem jüngsten Kommentar.

Matthews Asia: „Chinas Regulierung tut das, was der Rest der Welt zwar denkt – aber noch nicht umgesetzt hat“

Andy Rothman, Matthews Asia

Die Eingriffe der chinesischen Regierung auf den Markt privater Bildungsanbieter sowie ihre Intervention bei den geplanten Notierungen des Fahrdienst-Riesen Didi und der Ant Group an US-Börsen haben Investoren weltweit beunruhigt. Viele fürchten nun weitere Regulierungen, die sich negativ auf Notierungen chinesischer Unternehmen auswirken könnten. Andy Rothman (im Bild), Investmentstratege beim Asien-Spezialisten Matthews Asia, und sein Kollege und Chief Investment Officer Robert Horrocks halten diese Sorgen nur für teilweise begründet, wie sie im folgenden Interview erklären.

Was sind die Gründe für die jüngsten Änderungen von Chinas Aufsicht privater Unternehmen?

Rothman: Chinas Regierung hat ähnliche Bedenken in Bezug auf Wettbewerb, Verbraucherrechte, den Schutz kleiner Unternehmen, Datenschutz sowie Chancenungleichheit wie die Regierungen vieler anderer Länder auch. Sie wird von den gleichen Debatten und Diskussionen angetrieben, die in Washington, London, Brüssel und anderen Hauptstädten auf der ganzen Welt stattfinden. Aber einer der großen Unterschiede Chinas ist, dass es von einem Ein-Parteien-Regime regiert wird und daher in der Lage ist, schneller zu handeln. Und während die USA und Europa seit mehr als einem Jahrzehnt darüber debattieren, wie man beispielsweise mit seinen Online-Plattformen umgeht (ohne viel zu tun), hat China schnell gehandelt. Dieses schnelle Handeln hat viele Anleger überrascht, was zu Marktvolatilität geführt hat.

Gilt das für die regulatorischen Ankündigen im Bildungsbereich auch?

Rothman: Im Bildungsbereich stehen die Dinge etwas anders. In China gibt es eine echte Sorge über die Auswirkungen, die eine gewinnorientierte Bildung auf Familienbudgets und die Ungleichheit beim Zugang zu Bildungsangeboten hat. Und hier liegt der Fokus – die Sorge um Ungleichheit. Es geht um den ungleichen Zugang zu Nachhilfe und damit wiederum zu den, auch in China begrenzten, Universitätsplätzen sowie um die sozialen und wirtschaftlichen Fragen, die sich daraus ergeben.

Hat die jüngste Flut von Gesetzesänderungen die langfristigen Investitionsmöglichkeiten in China beeinträchtigt?

Horrocks: Nein. Meine Meinung für Investments in China hat sie auf jeden Fall nicht verändert. Es ist offensichtlich, dass sich China seit vielen Jahren auf das Wohlergehen von Verbrauchern und Arbeitnehmern konzentriert. Ich denke, es war eine Reaktion auf ein weltweites Phänomen, wonach Arbeiter gegenüber dem Kapital auf der ganzen Welt verloren haben. Das aktuelle Mantra von Chinas Regierung ist nicht „Stabilität“, sondern „Qualität“. Das ist der Fokus, weil die Regierung bestrebt ist, den Lebensstandard der Menschen weiter zu steigern, so dass sie mit dem, was ihnen die Kommunistische Partei Chinas bietet, zufrieden sind.

Sind als nächstes börsennotierte Unternehmen im lokalen „A-share“-Markt Chinas auf dem Radar der Regulierung?

Rothman: Aus makroökonomischer Sicht sehe ich nicht, dass sich die angekündigten regulatorischen Richtlinien an Unternehmen auf Grundlage ihrer Börsennotierung richten. Ich halte es für Zufall, dass viele der Firmen, die von den Änderungen erfasst wurden, im Ausland notiert sind. Denn bis vor kurzem waren sie noch Start-Ups und haben die, viel strengeren, Listing-Anforderungen auf dem chinesischen Festland und in Hongkong nicht erfüllt. So sind sie in New York an die Börse gegangen – und das war dann zufällig der Ort, wo der Druck eben spürbar wurde.

Welche Sektoren könnte die Regulierung – nach Technologie und Bildung – in China als nächstes treffen?

Horrocks: Ein weiterer Bereich, auf den sich die Chinesen konzentrieren, sind reale Vermögenswerte. Immobilien stellen einen großen Teil der chinesischen Wirtschaft dar. Aber worum sich die chinesische Aufsicht in diesem Bereich wirklich sorgt, ist, dass sich keine Situation entwickelt, in der reale Vermögenswerte für spekulative Zwecke verwendet werden. Spekulative Aktivitäten rund um Immobilien sind ein Bereich, der untersucht wird. Es ist kein großer Teil des Marktes, aber einer, auf den man achten sollte.

Wann wird der Druck durch die Regulierung nachlassen?

Rothman: Chinas Wirtschaft entwickelt sich immer weiter und in einem wirklich schnellen Tempo. Die Regulierungsbehörden kämpfen ständig darum, damit Schritt zu halten. Wir sollten auch verstehen, dass Chinas Verständnis von Regulierung anders ist als etwa in den USA. In China neigen sie dazu, die Regulierungen nicht ganz am Anfang zu schaffen, wie wir es gerne tun, weil wir stärker rechtlich orientiert sind. Stattdessen sagt die Regierung in China zu Unternehmern: „Geht hinaus, gründet Firmen – und dann werden wir dort eingreifen, wo wir es für notwendig halten.“

Was bedeutet das für einen aktiven Investor?

Horrocks: Viele asiatische und insbesondere chinesische Unternehmen werden – aufgrund dieser Bedenken der Anleger und angesichts der Ankündigung von Regulierungsmaßnahmen – mit einem erheblichen Abschlag gehandelt. Bei einigen der bekannten chinesischen Aktien gibt es mittlerweile Abschläge von 20 bis 30 Prozent auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis gegenüber ihren globalen Wettbewerbern. In punkto Marktkapitalisierung liegen diese asiatischen Unternehmen nur zwischen einem Zehntel und einem Drittel der Größe dieser Wettbewerber.

Wie kann aktives Management einige der regulatorischen Risiken mildern?

Rothman: Aus Sicht eines Anlegers sollte sich meiner Meinung nach der Schwerpunkt nicht darauf konzentrieren, welcher Sektor als nächstes einer regulatorischen Prüfung unterzogen wird. Das wird bei den meisten Sektoren der Fall sein. Ich denke, dass der Fokus auf das Unternehmen gerichtet sein sollte: Welche Geschäftsmodelle von Unternehmen werden in Zukunft wahrscheinlich von Vorschriften betroffen sein, die darauf ausgelegt sind, den Wettbewerb zu fördern, die Privatsphäre zu schützen und die Chancenungleichheit zu verringern?

Horrocks: Ich glaube nicht, dass wir damit rechnen sollten, dass die regulatorischen Fortschritte einfach gestoppt werden – die Chinesen waren sehr aktiv und werden weiterhin an der regulatorischen Front aktiv sein. Worüber sich die chinesische Regierung (und auch andere asiatische Regierungen) im Vergleich zu ihren westlichen Pendants viel mehr bewusst war, sind die Auswirkungen auf den Verbraucher, auf die Arbeit und den Anteil der Arbeitskräfte an der Wirtschaft. Vieles von dem, was China tat, ist also genau das, was der Rest der Welt zwar denkt – aber einfach noch nicht umgesetzt hat. Ich denke, Sie werden die chinesische Regierung weiterhin als Verfechter für Verbraucher und Unterstützer privater Unternehmen erleben. Und das ist der beste Wachstumsmotor, den China hat.

Sie finden die vollständigen Kommentare von Andy Rothman hier und von Robert Horrocks hier.

Beitrag zur Zukunft des Finanzplatzes Großbritannien post-Brexit auf FondsTrends.lu

Großbritanniens Regierung und die britische Finanzbranche suchen momentan händeringend nach Möglichkeiten, um das Vereinigte Königreich post-Brexit als internationalen Finanzplatz attraktiv zu halten. Tatsächlich hat die Finanzindustrie auf der Insel seit dem EU-Referendum im Juni 2016, vor allem aber in den vergangenen Monaten, tüchtig an Personal, Unternehmen und Assets verloren. Am stärksten betroffen ist das Asset Management, wie Hagen Gerle in diesem Beitrag für FondsTrends, der Informationsplattform von Hauck & Aufhäuser Fund Services zu aktuellen Trends und Themen im Fondsgeschäft, darlegt: Finanzplatz UK post-Brexit: Suche nach neuem Sinn.

Hazelview Investments: „Mobilfunkbetreiber werden mit Mobilfunk-REITs zusammenarbeiten müssen, um ihre Netze zu erweitern“

Das starke Wachstum der globalen Mobilfunkindustrie wird den Bedarf an Infrastruktur für den neuen Mobilfunkstandard 5G erhöhen. Auslöser wird der robuste Anstieg beim Datenverbrauch und -verkehr sein, der sich aus der fortgesetzten Einführung der 5G-Mobilfunktechnologie ergibt. Davon werden die Anbieter von börsennotierten Immobilienaktien (Real Estate Investment Trusts, REITs) von Mobilfunkmast-Betreibern bereits in diesem Jahr profitieren, erklären die REITs-Spezialisten von Hazelview Investments (ehemals Timbercreek Investments) in ihrem aktuellen Marktkommentar.

„Aufgrund des technologischen Fortschritts werden die Download-Geschwindigkeiten voraussichtlich um das 10- bis 100-fache von 4G zunehmen“, sagt Claudia Reich Floyd, Portfoliomanagerin für globale Immobilienaktien und Leiterin des deutschen Büros von Hazelview Investments, voraus. „Mobilfunkanbieter werden daher im Jahr 2021 mit Mobilfunk-REITs zusammenarbeiten müssen, um ihre Netzwerke durch die Installation von mehr Geräten auf mehr Türmen zu erweitern.“

Der Bedarf für mehr Funkmast-Kapazitäten – die Prognosen der Branche gehen von einem Anstieg des mobilen Datenverbrauchs um mehr als 30 Prozent pro Jahr aus – wird sich in verschiedenen Märkten jedoch unterschiedlich auswirken. In den USA werden kleine Sendemasten eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung der 5G-Abdeckung spielen. Branchenschätzungen sagen voraus, dass die Zahl dieser sogenannten „Small Cell“-Türme in fünf Jahren von 200.000 auf eine Million wachsen wird, erklärt Reich Floyds Kollege und Portfoliomanager Samuel Sahn, der in New York ansässig ist. „Wir gehen davon aus, dass Small Cells auf Straßenlaternen und Strommasten installiert werden müssen, um als praktisches Überdruckventil die Abdeckung zu verbessern und mit Makrotürmen zusammenzuarbeiten, wenn die Netze überlastet sind.“

In Europa erwartet Hazelview hingegen ein starkes Wachstumspotenzial bei den Makro-Mobilfunktürmen, angetrieben durch ein höheres Leasingvolumen und signifikantes externes Wachstumspotenzial über Verkäufe aktueller Portfolios von Mobilfunkunternehmen, die das Geld für den Ausbau von 5G benötigen. Europäische Eigentümer von Mobilfunktürmen, wie die spanische Cellnex, sind herausragend positioniert, um ihr bestehendes Turmportfolio weiter auszubauen und Kapital aufzubringen, um Akquisitionsmöglichkeiten wahrzunehmen, so Reich Floyd.

Das interne Wachstum für Mobilfunk-REITs wird durch automatische jährliche Mietpreissteigerungen, die Aufnahme neuer Mieter auf den Türmen und die zunehmende Dichte der Turmausrüstung angetrieben. „Wir glauben, dass die hohe anfängliche Cashflow-Rendite des Sektors, die lange durchschnittliche Mietdauer sowie das säkulare Wachstumspotenzial Funktürme zu einer herausragenden Anlageklasse machen“, betont die Portfoliomanagerin.

GFC-Podcast Episode 7: ESG, SFDR und das Risiko des „Impact Washing“

Logo GFC Podcast

Die seit bald drei Monaten geltende EU-Transparenzverordnung legt es an den Tag: Die Zahl und das Volumen der Investmentfonds, die Nachhaltigkeitskriterien entweder berücksichtigen (Artikel 8) oder diese sogar verbessern wollen (Artikel 9) steigen. Alles nur Schein – oder wird die Fondsbranche wirklich nachhaltiger? Und was geben die, mitunter noch etwas dürftigen, Daten und Parameter wie die neuen „Principle Adverse Impact“-Indikatoren her? Darüber haben wir uns mit Christina Böck, Partnerin bei der internationalen Strategieberatung INDEFI, für die neue Folge von GFC (not the ‘Global Financial Crisis’) Podcast unterhalten (Original-Interview als PDF).

Dieser Podcast ist auf Deutsch. Länge des Podcasts: 19:42 min.

Britische Finanzbranche post Brexit: Hoffen auf Äquivalenz – oder lieber gleich in die EU umziehen?

Großbritannien und die Europäische Union wollen bis Ende März ein „Memorandum of Understanding“ unterzeichnen, in dem festgelegt werden soll, wie es mit der Finanzdienstleistungsbranche nach dem Brexit weitergeht. Während das Vereinigte Königreich darauf hofft, dass seine Regularien auch auf dem Kontinent als gleichwertig anerkannt werden („equivalence“), scheinen für die EU gleiche Wettbewerbsbedingungen („level playing field“) wichtiger zu sein. Jeder Tag ohne ein Abkommen treibt mehr Geschäft, Firmen und Mitarbeiter nach Europa – und verunsichert britische Investmentmanager zunehmend.

Es sieht gerade nicht gut aus für den internationalen Finanzplatz Großbritannien. Auch wenn der Brexit-Deal für manchen Briten ein unerwartetes Weihnachtsgeschenk gewesen sein mag – für viele gerät er zur nationalen Tragödie. Zu entnervten Spediteuren, wütenden Fischern und abgezockten Online-Shoppern aus dem Vereinigten Königreich (United Kingdom, UK) könnten sich bald umzugswillige Mitarbeiter aus Finanzdienstleistungsfirmen gesellen. Der Sales-Manager einer Londoner Investmentboutique brachte es in einem Telefonat dieser Tage mit mir auf den Punkt: „Down the line, wenn du in der EU arbeiten willst, brauchst du die Lizenz vor Ort.“ Ergo schaue sich sein Arbeitgeber intensiv nach einem Standort auf dem europäischen Festland um.

Überlegungen, wie sie dieser Asset Manager mit seinem zweistelligen Milliarden-Betrag an verwaltetem Vermögen anstellt, machen sich immer mehr Investmenthäuser an der Themse, die (noch) keine Niederlassung in der Europäischen Union (EU) haben. Die post-Brexit-Phase ist für viele von ihnen eine Grauzone, solange es noch kein separates Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU gibt. Doch das kann auf sich warten lassen. Continue Reading

Der Fisch, die Finanzen und der letzte Akt im Brexit-Drama

Der (vorerst) letzte Vorhang im Brexit-Drama geht in diesen Tagen auf, und es sieht nicht nach einem guten Ende für die britische Finanz- und Fondsbranche aus. Die größte Chance hieß bis vor kurzem noch „Fish for Finance“. Doch daraus wird wohl nichts. Britische Finanzfirmen sitzen auf dem Trockenen, falls sie in der Europäischen Union (EU) keine eigene Niederlassung unterhalten (Artikel als PDF). Bis zur Absage von Großbritanniens Premierminister Boris Johnson Mitte Oktober sah „Fish for Finance“ – ein möglicher Handel zwischen Fangrechten für EU-Fischerboote in britischen Gewässern auf der einen und einem Zugang für britische Finanzprodukte in die Europäische Union auf der anderen Seite – recht erfolgversprechend aus. Flundern für Fonds oder Dorsch für Derivate sozusagen. Continue Reading